Die Arbeiterwohlfahrt versteht sich als Mitgliederverband mit sozial-politischem Auftrag, den sie durch ehrenamtliches Engagement und professionelle Dienstleistungen erfüllt. Die AWO stellt sich dem unternehmerischen Wettbewerb und setzt sich für eine sozial gerechte Gesellschaft ein. Jede Einrichtung der AWO arbeitet nach einer sehr detaillierten Konzeption, darin findet sich das Leitbild der Arbeiterwohlfahrt wieder.
Seit mehr als 25 Jahren ist die Arbeiterwohlfahrt, Unterbezirk Ennepe-Ruhr, in der Eingliederung von Migrantinnen und Migranten tätig. Das Grundprinzip der Arbeiterwohlfahrt ist das der humanen Gesellschaft. Die daraus entwickelten Grundwerte der AWO wie Solidarität, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit spiegeln sich in der Arbeit mit der Zielgruppe der Zuwanderer wieder.
Im Zuge der allgemeinen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen der letzten Jahre entwickelte sich der Jugendmigrationsdienst aus der Arbeit des Jugendgemeinschaftswerkes. Die gesetzliche Grundlage der Jugendmigrations-dienste ist der Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP).
Junge Menschen mit Migrationshintergrund sollen eine bedarfsgerechte Förderung erhalten, die ihnen die schulische, berufliche und soziale Eingliederung ermöglicht. Die Förderung umfasst Beratungs- und Betreuungsaufgaben sowie deren Koordinierung. (KJP 18 „Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund“)
Einzugsbereich des JMD Gevelsberg sind alle Städte des Ennepe-Ruhr-Kreises. Der EN-Kreis schließt Gevelsberg, Ennepetal, Schwelm, Breckerfeld, Hattingen, Witten, Wetter, Herdecke und Sprockhövel mit insgesamt ca. 350.000 Einwohnern ein.
Der Ennepe-Ruhr-Kreis ist zum großen Anteil ländlich strukturiert, er besteht aus neun Kleinstädten mit oft weit auseinander liegenden Stadtteilen. In diesen Stadtteilen sind wenig Freizeit- und Beratungsangebote vorhanden, diese sind vorwiegend in den Stadtkernen konzentriert. Nur wenige der neu nach Deutschland gekommenen jungen Migranten haben eine Anbindung an die bestehenden Jugendeinrichtungen.
Die Zuwandererfamilien wohnen in der ersten Zeit des Aufenthaltes in Deutschland meist in Stadtteilen mit hohem Anteil des sozialen Wohnungsbaus oder in Übergangsheimen. Oft haben diese Wohngebiete auch schlechte Anbindungen an öffentliche Verkehrsmittel. Aus diesem Grund können Jugendliche die Angebote in den Stadtzentren oftmals nicht nutzen.
Das Büro des JMD Gevelsberg befindet sich im Zentrum von Gevelsberg in der Nähe vom Hauptbahnhof. Es ist aus allen Städten des Kreises mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Um die Erreichbarkeit seitens der Klientel zu erleichtern, werden wöchentliche Außensprechstunden in anderen Städten des Kreises angeboten.
Beim JMD Gevelsberg sind zur Zeit drei Mitarbeiterinnen beschäftigt, mit insgesamt 2,5 Stellen. Aufgrund der Besonderheiten der Zielgruppe sind Fremdsprachen-kenntnisse von Vorteil. Entsprechend besteht für die Migranten auch die Möglichkeit, sich auf Russisch und Deutsch beraten zu lassen. Außerdem beschäftigt der JMD je nach Bedarf für die Durchführung erforderlicher Maßnahmen Honorarkräfte mit entsprechender Qualifikation und arbeitet auch mit ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammen.
Zu den Zielgruppen unserer Angebote gehören:
* Neu zugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene im nicht mehr vollzeitschulpflichtigen Alter bis maximal 27 Jahren mit Daueraufenthaltsperspektive zeitnah nach der Einwanderung,
* Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis maximal 27 Jahren mit Migrationshintergrund,
* Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Institutionen und ehrenamtliche Initiativen in den sozialen Netzwerken/Gemeinwesen, die für MigrantInnen relevant sind (Ämter, Betriebe, Vereine, Verbände, Kultur- und Bildungseinrichtungen, Religionsgemeinschaften usw.) einschließlich der Bevölkerung im Lebensumfeld der Jugendlichen
Ziele des JMD Gevelsberg sind die Verbesserung der sprachlichen, schulischen, beruflichen und sozialen Integrationschancen der Zielgruppe, Förderung der Chancengleichheit und der Partizipation junger MigrantInnen in allen Bereichen des sozialen, kulturellen und politischen Lebens.
Abgeleitet von den Problemlagen der Zielgruppe und in Verbindung mit Leitsätzen der Arbeiterwohlfahrt werden spezifische qualifizierte Beratungsangebote ausgerichtet. Die Arbeitsansätze des Fachdienstes sind:
* Vorhandene Ressourcen der Migranten und der Institutionen vor Ort erforschen, fördern, nutzen, bündeln und vernetzen
* Durch spezielle Angebote die Handlungskompetenz der Migranten erhöhen, ihnen dadurch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in der BRD ermöglichen
* Die Interessen der Migranten innerverbandlich darstellen und kritisch-solidarisch gegenüber der Aufnahmegesellschaft vertreten
* Der Diskriminierung der Migranten in der Gesellschaft entgegenwirken, den Zugang zu institutionellen Dienststellen erschließen, interkulturelle Öffnung der Dienste anstreben
Hierbei werden die Kompetenzen und Ressourcen der jungen MigrantInnen genutzt.
Die im folgenden genannten Arbeitsbereiche sind ganzheitlich ausgerichtet, d.h. sie ergänzen und unterstützen sich:
* Individuelle Integrationsförderung
* Netzwerk- und Sozialraumarbeit
* Initiierung und Begleitung der interkulturellen Öffnung von Diensten und Einrichtungen der sozialen Handlungsfelder
Die Dokumentation geschieht in Form von Jahresberichten, Sozial- und Bestandsanalysen, Klentenakten und Verwendungsnachweisen.
Individuelle Integrationsförderung
Das Grundangebot des JMD Gevelsberg ist das Integrationsmanagement. Das bedeutet eine kontinuierliche Begleitung der Neuzuwanderer, sowie bereits seit längerem in Deutschland lebender Migranten und Migratinnen mit migrations-bedingtem Förderbedarf bei der Integration in Deutschland. Es ist eine zielgerichtete, verbindliche und effiziente Förderung des Integrationsprozesses. Diese Aufgabe schließt folgende Aspekte mit ein:
Beratung und Begleitung
Integrationsberatung und -begleitung ist eine individuelle Hilfe im Einzelfall. Sie beinhaltet:
* Erstorientierungshilfen
* Hilfen in Fragen der Integrationskurse und Orientierungskurse
* Schul- und Bildungsplanung
* Hilfestellung bei der beruflichen Integration
* Hilfestellung bei persönlichen Anliegen
* Vermittlung usw.
Diese Art des Integrationsservices beinhaltet auch die Vermittlung Ratsuchender in Fördereinrichtungen und andere Fach- und Regeldienste, Begleitung bei Behördengängen, Vermittlungsgespräche zwischen Klienten und Behörden/ Organisationen usw.
Die Kontinuität der Beratung wird nach Bedarf durch die Erstellung eines individuellen Förderplans sichergestellt. Ausgehend von einem ganzheitlichen, kompetenzenorientierten Ansatz wird zusammen mit den jungen Menschen im Rahmen ihrer Lebensplanung ein individueller Integrationsplan erarbeitet. Dieser Förderplan beinhaltet Informationen zum aktuellen Stand des Klienten, wie Sprachstand, Qualifizierung, persönliche Situation usw. Des weiteren werden darin die ausgearbeiteten Ziele, Vereinbarungen und Umsetzungsschritte festgehalten. Der Förderplan dient auch als Evaluations- und Kontrollinstrument. Der Berater übernimmt dabei die Rolle eines Moderators und Begleiters beim Integrationsprozess.
Der Förderplan hat folgenden Inhalt:
* Bestandsaufnahme und Kompetenzanalyse
* Zielfindung und Zielvereinbarung
* Handlungsvereinbarung und Umsetzung
* Evaluation und Prozesskontrolle
Hierbei wird die Methode des Case Managements angewandt.
Zum Bereich des Integrationsmanagements gehört auch das Angebot sozialpädagogischer Begleitung junger Zuwanderer vor, während und nach den Integrationskursen. Hierbei kooperiert der JMD eng mit verschiedenen Trägern der entsprechenden Maßnahmen.
Gruppenangebote
Um den Bedürfnissen der Zuwanderer gerecht zu werden, führt der JMD Gevelsberg Projekte im Rahmen zur Verfügung stehender Haushaltsmittel durch bzw. arbeitet als Kooperationspartner in Projekten mit. Dazu gehört, dass der JMD über aktuelle Förderprogramme, aus denen Projekte finanziert werden können, informiert ist und als Folge neue Projekte schafft. Der JMD beantragt dafür Bundes-, Landes und Kommunalmittel.
Begleitend und ergänzend zu den vor Ort bestehenden Angeboten entwickelt und führt der JMD Gevelsberg eigene Gruppenangebote während des Integrations-prozesses durch, die eine individuelle Zielerreichung ermöglichen. Zu den Gruppen-angeboten gehören:
* Orientierungshilfen zu gesellschaftlichen und politischen Themen
* Jugendspezifische Bildungsinformationen
* Heranführen an Informationstechnologien
* Training sozialer Kompetenzen usw.
Netzwerk- und Sozialraummanagement
Eine wichtige Teilaufgabe des JMD ist die Netzwerk- und Sozialraumarbeit im Sozialraum. In diesem Rahmen sollen die Selbsthilfepotentiale des Sozialraums aktiviert werden. Insbesondere in Sozialräumen mit hohem Migrantenanteil soll systematisch und konsequent gemeinwesenorientierte Arbeit durchgeführt werden. Wesentliche Felder der gemeinwesenorientierten Projektarbeit sind : Verbesserung der Versorgungsstruktur in den Bereichen Bildung, Ausbildung, Gesundheit, Arbeit, Antidiskriminierung und Partizipation. Durch Vernetzung und Kooperation verschiedener Einrichtungen sollen die vor Ort vorhandene Ressourcen gebündelt werden. Dies ermöglicht, die Integrationsarbeit effizienter zu gestalten und bedarfsorientierte Angebote zu schaffen bzw. vorhandene Einrichtungen für die Migranten zu öffnen.
Eine Form der Vernetzung sind kommunale und kreisweite Fördernetze/ „Arbeitskreise Integration“ zu bestimmten Themen bzw. Zielgruppen. Diese Netzwerke/Arbeitskreise sollen die Arbeit vor Ort koordinieren, Übersicht über laufende Angebote für Zuwanderer verschaffen, umfassenden Überblick über die Problemlagen erlangen, Versorgungslücken aufspüren, gemeinsame, bedarfs-orientierte Angebote schaffen, Ressourcen vor Ort bündeln, Lobbyarbeit betreiben, an der Öffnung der Angebote in der Kinder- und Jugendhilfe und der anderen Arbeitsfelder der Sozialarbeit für Zuwanderer arbeiten. Mitarbeit in, Initiierung und Koordination von verschiedenen Arbeitskreisen/Netzwerken in Kooperation mit Kommunen und anderen Diensten vor Ort ist eine der Aufgaben des JMD.
Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Kooperation mit anderen Einrichtungen. Durch Kooperation soll ein umfangreiches Integrations-Netzwerk geschaffen werden, das verschiedene Lebensbereiche der Zuwanderer abdeckt und so für eine schnellere Hilfe/Vermittlung sorgt. Zudem müssen bereits bestehende Arbeitsgemeinschaften, wenn erforderlich, durch migrantenspezifische Themen ergänzt werden. Hierzu gehört auch die Förderung der ehrenamtlichen Arbeit.
Der JMD bemüht sich um Initiierung und Erstellung einer Angebotsanalyse (Sozialatlas/Netzwerkkarte) in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen und beteiligt sich an der Erarbeitung regionaler Integrationskonzepte.
Interkulturelle Öffnung
Eine weitere Aufgabe des JMD Gevelsberg ist die Initiierung und Begleitung der interkulturellen Öffnung von allen für unsere Zielgruppe relevanten Diensten und Einrichtungen sozialer Handlungsfelder in öffentlicher und freier Trägerschaft. Wir verstehen darunter einen ständigen Prozess, der begleitet werden muss, da neue Zuwanderungsgruppen auch neue Anforderungen und Bedürfnisse haben.
Der JMD Gevelsberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, Institutionen und Einrichtungen auf dem Weg der Interkulturellen Öffnung mit seinem Fachwissen zu begleiten und zu beraten und als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.
Zum Prozess der interkulturellen Öffnung gehört:
* Abbau von Hindernissen und Schwellen, die den Zugang von Migranten zu Regeldiensten, Ämtern, Gesundheitswesen, Sozialdiensten, Jugend-freizeiteinrichtungen u.s.w. erschweren.
* Zugewanderte Menschen haben häufig große Hemmschwellen, Angebote der Regeldienste in Anspruch zu nehmen. Das bedeutet, das die Angebotsstruktur der vorgenannten Einrichtungen sich auf die Bedürfnisse der verschiedenen Zuwanderungsgruppen einstellen muss.
* Damit verbunden ist der Erwerb der "interkulturellen Kompetenz" von Mitarbeitern in den Einrichtungen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwerben Wissen über die Kultur der Zugewanderten, um dadurch auf deren Probleme zielgerichtet eingehen zu können. Weiter gehören Aspekte wie Empathie, Sprachkompetenz, Wahrnehmungsfähigkeit, Perspektivwechsel, Toleranz, Wahrnehmen von Unterschieden und Gemeinsamkeit und Konfliktfähigkeit zur interkulturellen Handlungskompetenz.
Der JMD entwickelt bedarfsorientierte Informations- und Bildungsveranstaltungen und führt diese durch, bietet und organisiert interkulturelle Trainings für Multiplikatoren. Das JMD bemüht sich um Interessensvertretung für die Zielgruppe durch die Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit und fördert somit den „interkulturellen Dialog“.
„Wir bieten soziale Dienstleistungen mit hoher Qualität für alle an.“ (Leitbild der Arbeiterwohlfahrt)
Der UB Ennepe-Ruhr hat ein Qualitätsmanagementsystem gemäß dem Normenwerk DIN EN ISO 9001:2008 für alle hauptamtlichen Einrichtungen installiert. Das JMD Gevelsberg ist umfassend zertifiziert. Das QM-System wird kontinuierlich weiterentwickelt.