Herzlich willkommen bei der Frühförderung der AWO EN

Rabe-Frühförderung der AWO EN FACHLICHES

 

 
Aussonderung ist in sich eine Behinderung!

Behindert wird jemand nicht primär durch seine Beeinträchtigung, sondern durch die konkreten Lebens- und Lernbedingungen, die ihm die Gesellschaft bietet bzw. vorenthält und durch die Ausgrenzung, die ihm in der Regel widerfährt. Fachlich und politisch muss es Ziel sein, Aussonderung und Diskriminierung von vornherein zu vermeiden, z.B. durch gemeinsames Leben und Lernen von behinderten und nichtbehinderten Kindern im Kindergarten und in der Schule. Frühförderung ist somit eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung zur Integration Behinderter.

 

 
AUS DEM KONZEPT

Mit wem und wie arbeitet RaBe?
Zu den RaBe-Frühförderstellen kommen Familien mit Kindern, die in ihrer Entwicklung verzögert bzw. behindert sind.

 

 
Beispiel Veronika

Wie fast jeden Montag kommt Veronika mit ihrer Mutter für eine Stunde in die Frühförderstelle in der Sprockhöveler Straße 7. V. ist 4 Jahre alt und in ihrer gesamten Entwicklung verzögert. Sie ist sehr unruhig und kann sich meist schlecht konzentrieren.Heute hat Frau L., die sich einmal wöchentlich mit der Familie trifft, eine Einheit im Wahrnehmungsraum geplant. Auf dem (beschallbaren) Wasserbett, bei gedämpften Licht, soll sich V. entspannen und ihren Körper gezielt wahrnehmen. Vorbereitend werden zunächst im Bewegungsraum großräumige Bewegungen angeboten: Laufen, Stampfen, Springen durch den Raum, sich bewegen wie ein Hund, eine Katze, eine Schlange, Klettern über Hindernisse, sich zur Seite schieben lassen, all das erfährt V. als lustbetonte Bewegung. Sie kann dabei ausprobieren und experimentieren.Jetzt geht es auf das Wasserbett. V. entspannt sich zusehends. Es gelingt ihr, auf ihren Atem zu achten und auf einzelne benannte Körperteile, die sie an- und wieder entspannen soll. Einzelne Körperteile werden durch verschiedene Materialien (Sandsäckchen, Bierdeckel) bedeckt. Diese taktile Sinneserfahrungen trägt erheblich zur Körperwahrnehmung bei, schafft Aufmerksamkeit und Konzentration. V. ist ganz ruhig und entspannt und hört jetzt eine „Traumreise“. Sie erlebt in der Phantasie einen Spaziergang am Strand und durch die Wiese.V.'s Mutter erlebt diese Entspannungseinheit aktiv mit. Sie lässt sich noch einiges über Entspannung und Konzentration erzählen und nimmt sich vor, zu Hause Phasen von Ruhe und Erholung zu schaffen.

 

 

Kinder wie Veronika, die Probleme in einzelnen Bereichen (Sprache / Wahrnehmung) aufweisen, werden immer häufiger bei uns angemeldet, meist mit 2-3 Jahren. Manchmal fallen sie auch erst im Kindergarten auf bzw. bei der U9 mit 5 Jahren auf.
Liegt bei den Kindern eine eindeutige Beeinträchtigung vor (Down-Syndrom/Cerebralparese etc.), arbeiten wir zum Teil schon ab den ersten Lebenswochen mit den Familien.
Wir arbeiten auch mit Kindern, die nur übergangsweise eine Förderung benötigen, und fördern längstens bis zum Schuleintritt, ggf. aber auch während der Vorschulzeit.
In Situationen, wo es mehr um „Erziehungsprobleme“ geht und keine Entwicklungsverzögerung vorliegt, verweisen wir Eltern an Erziehungsberatungsstellen.


Einzugsbereich

Die Familien wohnen in der Regel im Ennepe-Ruhr-Kreis. In Ausnahmefällen können aber auch Kinder aus angrenzenden Städten und Regionen von uns betreut werden.

Zuweisende Stellen

Die Kinder kommen zu uns über
· Kliniken
· Kinderärzte
· niedergelassene Krankengymnasten
· Gesundheitsämter bzw. Mütterberatungsstellen
· Kindergärten
· Informationen durch andere betroffene Eltern
· betroffene Eltern melden sich selber
Für die Meldungen insgesamt spielt sicherlich auch eine Rolle, dass seit 1979 im Ennepe-Ruhr-Kreis ein Früherkennungs- und Erfassungssystem für Beobachtungskinder existiert.


Diagnose

Bei einigen Kindern liegt eine genaue Diagnose schon vor, wenn sie zu uns kommen. Ansonsten informieren wir die Eltern über die verschiedenen, eventuell notwendigen fachärztlichen Untersuchungen und stellen auch entsprechende Kontakte her.


Ziele und Aufgaben

Unsere Aufgabe ist es, die für die einzelnen Eltern und Kinder in ihrer spezifischen Situation notwendige und gewünschte Beratung und Förderung zu realisieren.
Frühförderung heißt dabei für uns
· Kinder zu unterstützen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln,
· mit Eltern über die momentane Handlungskompetenz ihrer Kinder zu reden und gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, diese weiterzuentwickeln,
· Eltern umfassend zu informieren und zu begleiten im Prozess ihrer Auseinandersetzung mit der Entwicklung ihrer Kinder oder ihrer mit Lebenssituation als Eltern behinderter Kinder,
· die gesellschaftlichen Auswirkungen und Hintergründe des Problems „Behinderung“, „Normalität“ aufzuarbeiten und auch gemeinsam nach Möglichkeiten der Veränderung zu suchen.
· Hilfe bei der Suche nach Kindergärten und Schulen. Dazu gehört insbesondere, im Rahmen der Kindergarten- bzw. Schulfrage im Sinne von Integration und Nichtaussonderung zu überlegen, ob die Aufnahme in den Regelkindergarten vor Ort bzw. in eine integrative Klasse mit den je spezifischen Voraussetzungen für das Kind umsetzbar ist.
Unsere gesamte Arbeit erfolgt in Koordination und Kooperation mit anderen Einrichtungen, Ärzten und Therapeuten, insbesondere mit einzelnen Regelkindergärten, die entwicklungsverzögerte bzw. behinderte Kinder aufgenommen haben.

Das Team

Die unterschiedlichen Berufsgruppen ermöglichen ein interdisziplinäres Arbeiten direkt im Team.
Bei den wöchentlichen Teamgesprächen können so im Rahmen von Fallbesprechungen unterschiedliche Perspektiven erörtert werden, die dann in das Gesamtkonzept unserer jeweiligen Interventionen einfließen.

Ambulante und mobile Arbeitsweise

Grundsätzlich haben wir die Möglichkeit, mit den Familien ambulant in der Einrichtung zu arbeiten (wobei sie bei Bedarf von einem Zivildienstleistenden abgeholt werden) oder sie auch zu Hause zu besuchen sowie in den jeweiligen Kindergärten Angebote zu machen.
Erstkontakt, Angebote und Inhalte
Die konkrete Arbeit beginnt mit einem Erstgespräch, dass zwei Mitarbeiter/innen mit den Familien entweder zu Hause oder bei uns in der Einrichtung führen.
Wir bekommen erste Eindrücke von den Kindern ; die Eltern können erzählen, welche Probleme sie für sich und die Kinder sehen, wo und wie sie sich Hilfen wünschen.
Wir informieren die Eltern über unsere verschiedenen Angebote und geben ihnen eine Einschätzung, ob wir Frühförderung für angezeigt halten.
Wenn die Eltern dann eine Aufnahme wünschen, können sie die entsprechenden Anträge (siehe Finanzierung) direkt bei uns stellen.
Familienarbeit
Frühförderung heißt für uns Arbeit mit Familien, d.h. es geht nicht nur um die Förderung der Kinder, sondern um die Familie als Ganzes, um die Familie in ihrer schwierigen, für sie selbst oft als bedrohlich erlebten Situationen.
Neben den Eltern und Kindern können auch Großeltern und andere Personen zu dieser Familie gehören und eine große Bedeutung für die familiären Prozesse erhalten.
Wir betrachten die Familie folglich als ein System mit unterschiedlichen Mitgliedern, die durch ihre Beziehung zueinander, ihre Einschätzungen und Handlungen Einfluss auf Einzelne nehmen, aber ebenso das System als Ganzes gestalten und verändern.
In dem Moment, wo wir die Arbeit mit der Familie aufnehmen, werden wir Teil dieses Systems; wir beeinflussen Prozesse innerhalb der Familie, die Familie beeinflusst uns und unsere Arbeit.
Von daher können die Schwerpunkte bei einzelnen Kontakten sehr unterschiedlich liegen, das Gespräch mit den Eltern Vorrang haben vor der Arbeit mit dem Kind.
Im Vordergrund steht für alle Familien die Auseinandersetzung mit der veränderten, unerwarteten Lebenssituation.
Immer wieder stehen Fragen wie
· Was können wir jetzt tun?
· Welche Konsequenzen hat die Entwicklung bzw. die Behinderung für unser Kind und uns?
· Was wird überhaupt werden?
im Mittelpunkt der Gespräche.
Für manche Familien setzt dieser Auseinandersetzungsprozess sehr früh an, d.h., wenn das Kind noch sehr klein ist, die Beeinträchtigung aber bereits eindeutig diagnostiziert wurde. Für andere ist der Einschnitt weniger krass, aber nicht weniger schmerzhaft, vor allem dann, wenn Auffälligkeiten und Schwierigkeiten erst allmählich wahrgenommen werden können, bzw. Eltern erst nach und nach über die Entwicklung ihres Kindes aufgeklärt werden.
Inhalte unserer Gespräche mit Eltern umfassen neben den anfangs verstärkt auftretenden Fragen um Zukunftsperspektiven (Frühförderung, Kindergarten, Entwicklungsschritte, Schule, Erwachsenenalter etc.) vor allem die aktuelle Lebenssituation : Konflikte, Belastungen, Isolation und Aussonderung, negative Erfahrungen mit der Umwelt u.a.m.
Außerdem beraten wir Familien umfassend über ihre rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten (Behindertenausweis/Pflegegeld . . .).
Für uns ist es wichtig, die Familien nicht nur einmalig zu beraten, sondern sie auf ihrem Weg zu begleiten.
Vorrangiges Ziel unserer Beratungsarbeit ist es, Familien in ihrer Lebenssituation und dem von ihnen eingeschlagenen Weg zu stärken und sie zu unterstützen, indem wir versuchen, den Blickwinkel auf vorhandene Fähigkeiten der Familien, auf ihre Ressourcen, auf positive Erfahrungen zu lenken. Dies erleichtert der Familie die Entwicklung, aber auch die Umsetzung ihrer Lösungswege.
In diesem Zusammenhang geht es für viele Familien auch darum, Unterstützung bei dem Aufbau einer realistischen (soweit dies möglich ist), für sie selbst aber auch akzeptablen Sichtweise der Entwicklung ihrer Kinder zu erfahren.

Elternkreise

Immer wieder zeigt sich, wie wichtig die Erfahrungen anderer betroffener Eltern sein können. In kleinen und konstanten Gesprächskreisen (7 - 8 Eltern) bieten wir Eltern die Möglichkeit, sich austauschen, Informationen weiter zu geben, Probleme zu diskutieren, Kontakte herzustellen.

Einzelförderung

In der Regel findet die Frühförderung in Form von Einzelkontakten einmal wöchentlich statt. Die konkrete Arbeit mit den Kindern verläuft nicht als isolierte Fördersituation zwischen uns Mitarbeiter/innen und dem jeweiligen Kind, vielmehr ist es grundlegender Bestandteil unserer Arbeit, dass die Eltern (meist sind es die Mütter) mit dabei sind und sich, je nach Situation, in unterschiedlicher Weise beteiligen können (beobachten, mitmachen, selbst ausprobieren und gemeinsam reflektieren... /vgl. auch „Ziele und Aufgaben“).
Die Zeit zwischen den Kontakten betrachten wir als einen Zeitraum, in dem Erfahrungen verarbeitet, Anregungen aufgegriffen, Neues entwickelt und ausprobiert werden kann. Daraus wird deutlich, dass Frühförderung auch darauf zielt, Familien zu befähigen, die für ihr Kind notwendigen Anregungen in ihren Alltag zu integrieren und selbst nach Veränderungsmöglichkeiten zu suchen.
In den Stunden ist für uns wichtig, die Kinder in Spielsituationen genau und immer wieder zu beobachten, um ihre aktuelle Handlungsstruktur und -kompetenz, ihre derzeitigen „Pläne“ (Piaget) und Möglichkeiten zu erkennen.
Aus einer solchen ganzheitlichen Sicht leiten wir ab, welche Handlungsmöglichkeiten sich für das Kind bald eröffnen könnten und bieten ihnen entsprechende Materialien, Spielzeuge, Bewegungsgeräte (Schaukel, etc.), Lieder, etc. an.
Die Eltern bringen eigene Erfahrungen mit ein und lernen zu sehen, was ihr Kind schon alles macht und kann, aber auch, was es noch nicht können kann und wo sie es vielleicht doch stärker fordern können.
Spielangebote an das Kind verstehen wir auch wirklich als „Angebote“, d.h. wir warten ab, wie es damit umgeht, und wollen, dass es sich möglichst aktiv damit auseinandersetzt.
Einzelne Angebote zielen durchaus schwerpunktmäßig auf bestimmte Bereiche der Entwicklung wie Wahrnehmung, Motorik, Sprache (als Sprachanbahnung) oder Selbständigkeit, aber es geht immer darum, das Kind in seiner Gesamtpersönlichkeit zu sehen.
Dies gilt auch, wenn in unsere Arbeit Elemente spezieller Therapien wie
- Basale Stimulation
- Sensorische Integrationstherapie
- Heilpädagogische Übungsbehandlung
- Psychomotorik
- krankengymnastische Behandlung nach BOBATH
einfließen.
Krankengymnastik
Krankengymnastik in unserer Einrichtung verstehen wir als integralen Bestandteil der Frühförderung, d.h. auch die Krankengymnastin arbeitet auf der allgemeinen Basis dieser Konzeption, wobei der Schwerpunkt die krankengymnastische Behandlung ist.
Die Krankengymnastik beinhaltet vor allem die Förderung der statomotorischen Entwicklung, etwa der Kopfkontrolle, des Kriechens, Sitzens, Stehens und Laufens, aber auch die Förderung der Wahrnehmungsfunktionen und ihre Integration. Auch dies geschieht nicht defizitorientiert, d.h. Ansatzpunkt ist immer das, was das Kind schon macht und kann.
Die krankengymnastische Behandlung beschränkt sich nicht nur auf das Vorzeigen von Übungen. Sie hat auch das Ziel, zusammen mit den Eltern konkrete Möglichkeiten im alltäglichen Tagesablauf zu suchen, die die motorischen Entwicklungen unterstützen können. Sie vermittelt den Eltern insbesondere bei Kindern mit einer cerebralen Bewegungsstörung eine bestimmte Form der täglichen Handhabung beim Wickeln, Anziehen, Baden, Füttern, Tragen etc. („Handling“ nach Bobath), die das Erlernen „normaler“ Bewegungsmuster erleichtern.
Eine enge Kooperation zwischen Krankengymnastin und Pädagog/innen ermöglicht eine Verwirklichung des ganzheitlichen Konzepts, das die aktuellen Bedürfnisse des einzelnen Kindes und seiner Familie berücksichtigen muss.
In der Einzelförderung - bezogen auf die Entwicklung der Kinder - sehen wir unsere eigene Funktion manchmal darin, „Modell“ für die Eltern zu sein; manchmal sind wir „Kommentatoren“ der Handlungen des Kindes; dann wieder halten wir es für wichtig, „Erklärer“ von Zusammenhängen in der Entwicklung zu sein; oft stehen wir auch nur als „Staunende“ da, wenn wir sehen, welche Ideen Eltern für ihre Kinder entwickeln und sind so selbst immer „Lernende“.
Gemeinsam mit den Eltern überlegen und planen wir, wie sie das Kind zu Hause unterstützen können. Wir erstellen aber keine Programme im Sinne von „Hausaufgaben“.

Spielgruppen

Parallel zu Einzelförderung kommen einzelne Familien auch zu einer Gruppe in unsere Einrichtung. Dort treffen sich dann etwa 4-5 Kinder im Alter von ca. anderthalb bis vier Jahren. Durch die Ablaufstruktur (Anfangskreis mit Eltern und Kindern/Aufteilung in Kinder- und Elterngruppen) werden unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte gesetzt:
· Die Kinder machen (oft erste) Erfahrungen mit anderen ungefähr Gleichaltrigen, erleben sich bei gemeinsamen Aktivitäten, aber auch getrennt von Mutter bzw. Vater.
· Die Eltern machen ebenso (oft erste) Trennungserfahrungen.
· Vor allem aber führt das regelmäßige Zusammentreffen der jeweils gleichen Mütter und Väter oft zu sehr intensiven Gesprächen, in denen es möglich wird,etwa auch Beziehungsprobleme anzusprechen und zu diskutieren.
Die Gruppen stellen vor allem aus diesem Grund einen festen Bestandteil unserer Arbeit dar.



Ausblick

In den nächsten Jahren wird es, dies beschreibt auch die vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales herausgegebene Studie zur Lebenssituation behinderter Menschen in NRW, darauf ankommen, Chancengleichheit und Frühzeitigkeit durch flächendeckende Maßnahmen zu schaffen, die Qualifikation der Mitarbeiter/innen zu erhöhen, in noch stärkeren Maße

 

 

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